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Gschichtln aus dem Lavanttal (KÄRNTEN)

Gschichtln und Erzählungen aus dem Lavanttal


Die Türken in Lading

Die List mit der Wachskerze Kirche von Lading

Um 1480 fielen die Türken in Kärnten ein. Sie brannten die Siedlungen im Oberen Lavanttal nieder. Auch vor der Saualpe machten sie nicht halt. Die Kirche von Lading, wohin sich die Bauern geflüchtet hatten, konnten sie jedoch nicht einnehmen.

Da stellten die Türken, gleichsam wie ein Opfer, eine große Wachskerze vor der Kirche auf. Die Bauern misstrauten jedoch dieser Stiftung und fanden die Kerze ganz mit Pulver gefüllt. Wenn man sie angezündet hätte, wäre die Kirche bei der Explosion zerstört worden. Zur Erinnerung wurde die Kerze beim Altar der Wehrkirche aufgestellt und man konnte sie noch lange Jahre sehen. Noch heute erinnern die Schießscharten in der Mauer, rund um die kleine Wehrkirche, an diese Zeit.

Auszug aus dem Buch "Sagenhaftes Lavanttal" von Dagmar Wabnig

Erzählung Wegkreuz in Lading

Nach einer Erzählung von älteren Bewohnern aus Lading, wüteten die Türken auch in diesem Ort. Aus Furcht und schutzsuchend flüchteten einige Bauern und Bewohner in die Kirche. Die mutigen Männer verschanzten sich hinter der Wehrmauer und versuchten die Kirche von dort aus zu verteidigen.

Leider waren die Ladinger nicht erfolgreich, die Türken drangen in die Kirche ein und erschlugen dort die Menschen. Warum damals die Türken in weiterer Folge abgezogen sind, kann eigentlich niemand so genau erzählen. Jedenfalls wurde später, vor der Kirche eine Kapelle errichtet. Soweit damals bei dem Gemetzel das Blut aus der Kirche geronnen ist, soweit entfernt steht heute noch die Kapelle und lädt jeden Wanderer ein innezuhalten.

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Der tanzende Höllenfürst

Es war in den Jahren, in der Zeit nach dem großen Kriege, alles befand sich noch in einer mehr armseligen Nachkriegssituation. Da befanden sich immer noch Leute in unserem Lande, die aus irgend welchen Gründen noch nicht in ihre Heimat nach Hause durften. Diese Menschen hielten sich großteils auf dem Lande auf, meist bei den Bauern. Da gab es immer noch mehr zu essen als in den Städten und man war weniger der Obrigkeit und dem Auge des Gesetzes ausgeliefert. Da war bei unserem Nachbarn solch ein Mann, er sagte er sei ein Ungar und dürfe noch nicht nach Hause. Es wurde nicht gefragt wieso und weshalb. Er war ein sehr starker Mann, mit einem überdurchschnittlich starken Bartwuchs. Er hatte einen finsteren Blick, auch die Augenbrauen waren unter der Stirne ohne Unterbrechung gewachsen. Doch sein Benehmen und seine Ausdrucksform glichen eher einer gehobenen Klasse. Doch in dieser Nachkriegszeit gab es die verschiedensten Formen, in der sich die Menschen gaben.

Ich war damals auch bei meinen Onkel als Knecht beschäftigt. Da gab es eine große Wohnstube mit einem robusten Eichentisch, einem Holzkachelofen der im Winter immer recht viel Wärme ausströmte, daher ein sehr gemütlicher Ort. Da kamen an gewissen Tagen oft mehrere Menschen zusammen meist Samstag oder Sonntag Abend.

An einem solchen Tag kam Joschi, dies war der Ungar, und unterhielt sich mit uns. Es wurde
Karten gespielt und allerlei Jux gemacht. Da sagte Joschi, er habe einen Teufel, der könne tanzen, ob er uns dies zeigen sollte? Er zog so eine Art Hampelmann aus seiner Rocktasche. Der war ca. 30 cm groß, und trug auf dem Kopfe einen spitzen Hut mit einer langen Feder darauf. Joschi sagte, wir sollten uns am anderen Ende der Stube zusammen setzen, einer sollte, wenn er es sage, auf der Mundharmonika einen Marsch spielen. Joschi baute sich am anderen Ende der Stube auf und wir harrten der kommenden Dinge. Joschi hatte eine sehr ernste Miene, öffnete die Stubentür und sagte im Brustton der Überzeugung bei der Tür hinaus: "Teufelmann und Teufelfrau kommen mir helfen!" Danach machte er in der Stube einen Kreis mit einem Stock und befahl uns jetzt zu spielen. Anfangs hielt er seinen Teufel noch bei der langen Feder hoch, doch immer mehr hielt sich der Teufel selber auf den Beinen und bewegte sich nach den Musiktakten in tanzender Pose.

Doch eines kam mir etwas komisch vor, dass er immer mit dem Stocke mitdirigierte und den Takt vorgab. Es war witzig und etwas deprimierend zugleich, wie sich der Teufel so majestätisch nach der Musik bewegte. Alle Zuseher waren still geworden. Weil damals das Petroleumlicht noch mehr spärlich war und daher etwas duselig die ganze Stube beleuchtete, schaute die ganze Vorführung so recht gespenstig aus und einem jeden ging sie etwas unter die Haut. Als das Musikstück fertig war, hörte der Teufel zu tanzen auf, er fiel wieder in sich zusammen. Joschi verfrachtete ihn wieder in seinen Rocksack und tat als wäre nichts gewesen.

Nachdem wir wieder eine Zeitlang geplaudert hatten, erzählte uns Joschi den Werdegang dieser Geschichte. Der Teufel besteht aus 12 Teilen. So mußte er in den 12 Rauhnächten pro Nacht einen Teil des Teufels schnitzen. Dies hatte ihm ein alter Zigeuner so gelehrt. Danach, wenn der Teufel fertig war mußte er noch sehen, dass er eine lange Hahnenfeder als Kopfschmuck bekam, die den Teufel erst richtig als Teufel kennzeichnet, dies geschieht dann am Heiligen Abend.

An diesem Abend, wenn die Menschen alle zur Christmette gingen, die Glocken die Mitternachtsmette einläuten, musste er den gebastelten Teufel nehmen, nebenbei noch einen kleinen Sack mit Mohn einstecken, sich an einen Kreuzweg begeben, um sich herum einen Kreis ziehen und mit dem gebastelten Teufel sich in diesen Kreis hineinsetzen. Dies alles während der Mitternachtsmette und immer musste er probieren, ob der Teufel schon selber zum Stehen kommt. Sobald er selber steht musste er den Teufel in die Tasche stecken, rund um sich Mohn ausstreuen und so schnell wie nur möglich den Platz verlassen und heimzu laufen. Doch hinter ihm nach muss er auch noch Mohn streuen. Die Teufel, die ihn erwischen möchten, müssen noch vorher den Mohn zusammen klauben, bevor sie ihn verfolgen können. Danach sollte er sich schnell den Menschen anschließen, die von der Mitternachtsmette kommen, denn dann hätte der Teufel keine Gewalt mehr über ihn.

Uns war immer noch ein leichtes Gruseln in der Magengegend und wir waren eigentlich froh, als sich Joschi aus dem Staub machte und die Heimreise antrat. Obwohl ich der ganzen Sache nicht recht traute, ging auch ich mit gemischten Gefühlen in meine Schlafkammer hinauf, doch nach vielen Jahren kam ich durch Zufall hinter das Geheimnis des tanzenden Höllenfürsten.

Auszug aus dem Buch "Gedicht'lan und Gschicht'lan" von Thomas Tatschl
(Geschichte gekürzt)

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Die Türken in Lading

Die List mit der Wachskerze

Der tanzende Höllenfürst
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Quellenhinweis

 
 
 
© E.Riedl
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